Rückblende, 60/70er

[Rainer] Wie war das denn eigentlich damals, oder besser: Wie hab ich das in Erinnerung?

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Unser Basislager war das Haus Solsana in Pagig. Etwa die halbe Strecke von Chur nach Arosa, mitten im Schanfigg. Ein altes Bauernhaus, das neben unserer Ferienwohnung auch eine Bleibe für Kinder bot, deren Eltern den Urlaub lieber ohne den Nachwuchs verbringen wollten.

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Hedi Bollinger als Herrin des Hauses wurde im Lauf der Jahre zu einer guten Freundin unserer Familie. Trotzdem war sie stets irgendwie merkwürdig und geheimnisvoll. Ihre eigene Wohnung mit Bibliothek, Glasveranda und riesigem Schlafzimmer war eine Tabuzone. Und natürlich nutzen wir jede Gelegenheit, um einen Blick in diese verbotene Welt zu werfen. Diese Bilder hab ich im Kopf, sehr präsent.

Unsere kleine Wohnung unter dem Dach war rundum mit Nadelholz verkleidet und urgemütlich. Draußen gab es einen kleinen Pool, eine Veranda zum Spielen und jede Menge Natur. Und ein tägliches Fitnesstraining: Der Weg zum Haus war mit dem Auto nicht zu befahren, also musste alles einen schier endlosen Weg herauf geschleppt werden.

Flashlights in den Sommermonaten: Lange Wanderungen. Steile Aufstiege. Brunnen mit glasklarem Quellwasser. Kühe drumherum. Mein Rucksack, der stets eine Rolle Klopapier und Brause enthielt. Der Stolz, einen Gipfel erklommen zu haben. Wenn das zu viel war: Pausen mit meiner Ma, während die 3 Großen noch viel, viel höher aufstiegen. Furchteinflößende Gewitter.

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Zwischendrin immer wieder mal „Kulturtage“ incl. Kirchenbesichtigungen – das war natürlich das absolute Highlight für uns Jugendliche.

Die enge und teils gefährliche Straße von Chur nach Arosa. Das ganz besondere Hupen der Postbusse vor jeder Kurve. Eichhörnchen. Der Tante-Emma-Laden in St. Peter. Auch wenn ich mich wiederhole: Das Größte waren die Nusskipferln!

Und im Winter: Tief verschneite Strassen. Schneepflüge und Schneefräsen, die uns morgens weckten.

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Skifahren: Kalte Finger, kalte Füße, kalte Nase. Ein Holzschober mitten im Skigebiet, wo Ma den größten Teil des Tages verbrachte. Für uns Fixpunkt und Verpflegungsstation.

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Pferdeschlitten. Und auch die andere Seite eines mondänen Wintersportortes: Menschen, die ihren Wohlstand hemmungslos zeigten. Die sich raffiniert gefaltete Spiegelfolien unters Gesicht hielten, um schnell und rundum braun zu werden. Und die an ihren heckgetriebenen Luxuskarossen die Schneeketten vorne montierten. Was haben wir gelacht 😂🤣😂 Mit unserem bescheidenen VW 1600 Variant kamen wir überall problemlos hoch – und wieder runter.

Ach, war das eine unbeschwerte Zeit…

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