Zähneklappern und Vorfreude

[Conni] Für mich ist Pagig, dieses kleine, urige Bauerndorf am Südhang des Schanfigg, über viele Jahrzehnte zur 2. Heimat geworden. Wenn ich dort ankam, bin ich in eine andere Welt abgetaucht: Natur pur, minimalistisches Leben und viel Zeit mit Geschwistern und Eltern.

Pagig

Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als mit meinem Bruder dorthin zu fahren und unsere Vergangenheit in die Gegenwart zu transportieren. Was wir uns alles zeigen und erzählen werden… Was haben wir gleich oder anders erlebt? Immerhin trennen uns 7 Jahre. Rainer hat im allerersten Urlaub seinen 4. Geburtstag gefeiert. Da war ich schon stolze 11 Jahre alt – und kurz vor der Pubertät!!!

Ich bin sehr gespannt und freu mich riesig!

Eigentlich begann ja alles mit einem Familienquiz. Rainer hatte diese Karte gezogen, ich saß rechts neben ihm.

Ohne lange zu überlegen, sprudelte es aus ihm raus: “Ich möchte mit dir in´s Schanfigg fahren!”

Wow!!! Diese Antwort begeisterte mich! Rainer will mit mir dorthin? Das haute mich um – und freute mich ungemein.

Ganz locker schlug er vor: “Wir können uns ja am Bodensee treffen. Du kommst mit der Bahn aus Krefeld – ich mit dem Motorrad aus dem Taunus!” Ich war verwirrt: “Und mit welchem Auto fahren wir dann nach Graubünden?” “Auto? Wir nehmen das Motorrad!”

Ich war platt. Ich, auf einem Motorrad? Ich, die dem Risiko eher aus dem Weg geht und die Karosserie des Autos als große Sicherheits-Knautschzone empfindet? Ich protestierte nicht, sondern verhielt mich bedeckt, nicht ablehnend, eher abwartend mit den Gedanken: Rainer macht Scherze und – kommt Zeit, kommt Rat… Aber er scherzte nicht.

Mich hatte die Ernüchterung voll getroffen. Monatelang. Meine Freude wechselte sich ab mit Unsicherheit und dem “Worauf lässt du dich da ein?” Ping-Pong, hin und her. Später spürte ich: Das könnte eine Herausforderung werden. Wer nicht wagt, der nichts gewinnt. Ja, da war was dran. Auf jeden Fall wusste ich sicher: Als Sozia werde ich ihm voll vertrauen. Er geht in seinem Leben und auf dem Motorrad kein Risiko ein*. Er ist ganz gewiss kein Adrenalin-Junkie. Wenn Anna-Lena Motorradtouren mit ihm macht, könnte ich das doch auch mal ausprobieren… Die Lust, etwas vollkommen Neues zu wagen, stellte sich bei mir immer öfter ein. Und die Freude darauf kam – immer mehr!

Das geringste Problem stellt ja wohl der 35 l Seitenkoffer dar! 8-Tage-Hüttenwanderung im Lechquellengebiet (Hochgebirge) inkl. An- und Abreise mit der Bahn habe ich hinter mir: All mein dafür benötigtes Hab und Gut passte in einen 40 l Rucksack. Hm, oder sollten wir doch einen Beiwagen mitnehmen? So für alle Fälle?

Helm- und Schuhkauf habe ich lange vor mir hergeschoben. Rainer hat mich immer wieder liebevoll und sehr dezent daran erinnert (mein eMail-Postfach ist voller Empfehlungen und Tests für Helme und Schuhe. Danke nochmals an dieser Stelle, Rainer!). Und ja, mit dem Kauf kam echt der Wendepunkt für mich. Jetzt hatte ich mich entschieden, zum ersten Mal in meinem Leben auf dem Motorrad mit zu fahren. Mit Rainer und dem Goldbären!

Klar, wir müssen vorher üben. Ob wir das schaffen, miteinander auf dem Motorrad? Ich hoffe es sehr. Das Trainings-Wochenende im Taunus verheißt schönes Wetter.

Beim Wetter ist alles dabei

PS: Hab ich eigentlich schon geschrieben, dass ich überhaupt keine Angst habe?

* [Rainer] …das stimmt nur so halbwegs 🙂

Ein Kommentar zu „Zähneklappern und Vorfreude

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